3. Tag – Lagos

Das Frühstück fällt vergleichsweise bescheiden aus. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: wir haben gestern Abend so üppig Fischsuppe getafelt, dass von Hunger keine Rede sein kann. Zudem ist der Plan, einen Ausflug nach Faro zu machen. Dort wird es ja sicher Restaurants wie Sand am Meer geben. Also: Sattel die Büchs und auf die Pferde. Wie das Wetter ist, brauch ich ja wohl nicht zu erwähnen.

Wir sitzen also in unserem Opel, schalten sicherheitshalber den Navigator ein (obgleich eigentlich alles sonnenklar ausgeschidert ist) und müssen mit Schrecken zur Kenntnis nehmen: Eine Stunde Zwölf Fahrzeit. One way! Haben wir dazu Lust? Eine kurze Diskussion entspinnt sich im Wagen, die Vor- und Nachteile werden abgewägt, mit dem Ergebnis, dass Lagos (nur 17 km entfernt!) ja auch ganz hübsch ist, wobei wir das schon wissen, denn wir waren schon einmal da. Restaurants gibt es dort auch; ergo: Change of Plan.

In Lagos angekommen, weisst uns ein Hippi auf einem großen Brachgrundstück ein Fleckchen zum Parken zu (gleich an der Festung) und sagt, die Parkgebühr sei eine Spende für die lokale Schule, die Höhe durch uns selbst zu bestimmen und ihm zu überantworten. Nun ja; wir geben ihm zwei Euroletten.

In der Tat ist die Stadt eine feine. Wir sind selbstredend nicht die einzigen Besucher aber trotz allem ist es nicht unangenehm voll und drängelig. Wir wägen den Frühstücksbesuch in einem Café sorgsam ab. An einem kleinen Cafe steht gerade ein älteres Ehepaar auf  und wir nutzen die Gunst der Stunde. ABER bei genauerem Hinsehen stellen wir fest, dass sie ein Pastel de Nata nicht gegessen haben! Das ist natürlich ein k.o.-Kriterium und wir ziehen weiter. Schuh- und Taschenläden lassen wir tapfer rechts bzw. links liegen und erfreuen uns stattdessen and den feinen weißen Häusern, dem blanken Kalksteinpflaster und den hübschen Balkonen über uns.

Schließlich finden wir noch ein anderes nettes Cafe mit freiem Tisch und Pasteis im Angebot. Wir nehmen drei davon, dazu Cappuccino, Espresso und frisch gepressten Orangensaft und besprechen den weiteren Tag. Für den Strand ist es noch zu warm; der Schatten der engen Gassen der Stadt ist uns da lieber. Aber bitte off the beaten track! Davon gibt es ja auch jede Menge und irgendwie kommt man ohnehin immer wieder auf die zentralen touristischen Meilen zurück.

Wir kommen an einem Open Air Restaurant („The Garden“) vorbei, aus dem es verführerisch nach gegrilltem Lamm etc. riecht. Wir behalten das schon mal im Hinterkopf, auch deswegen, weil das Gässlein davor von einem rosa blühendem Baum überspannt wird, der keinen Stamm zu haben scheint. Quasi ein Pendant zu den berühmten Hängenden Gärten von Semiramis. Aber erstmal noch ein wenig mithelfen, die weißen Pflaster der Altstadt glattzuwetzen. Ein Mercado, zu dem wir extra laufen, hat leider schon zu. Es ist auch schon um zwei; in sofern ist das nicht so die große Überraschung. Aber der Weg war ja auch das Ziel irgendwie.

Also nun doch „The Garden“. Die Atmosphäre ist entspannt. Als Zapfbiere gibt es Super Bock und Warsteiner. Warsteiner; das Kreuz der Globalisierung; es ist unsäglich. Die Gerichte sind vornehmlich Grillgerichte: Fleisch und Fisch aller Coleur. Für Unentschlossene wird auch ein Chicken Curry angeboten. Alles schmeckt wunderbar.

Weil sich die Erde dreht, hat sich der Sonnenstand inzwischen merklich geändert und ein Besuch am Strand kommt in Betracht. Wir hatten uns schon im Vorfeld für den Praia do Cordoama entschieden, weil dieser in den Reiseberichten anderer ganz gut wegkommt und auch weil es einer der wenigen Traumstrände der Gegend ist, die wir noch nicht kennen. Es sind etwa 20 oder 30 Minuten Fahrt durch eine eher vertrocknet anmutende Steppenlanschaft. Das ist der große Unterschied zu unseren Reisen im Frühjahr in die Gegend. Das Frühlingsgrün ist unmissverständlich einem herbstlichen Braun gewichen.

Der Strand ist umwerfend! Praia do Cordoama. Von schwarzen Felsen (metamorphe Schiefer) abgregrenzt liegt der weite Strand nahezu unberührt und wird permanent und gnadenlos von dem wilden Meer umspült. Das Donnern der Wellen ist laut wie die A14 zwischen Leipzig und Halle zum Berufsverkehr, bloß tausendmal schöner. Ein Nebel aus Sea Spray taucht die Szenerie in ein unwirkliches Licht, die tiefstehende Sonne tut ihr Übriges. Wir trauen uns hinaus in die tosende Brandung und versuchen, die Wellen mit grazilen Sprüngen zu bezwingen, mal mehr und mal weniger erfolgreich.

Kurz vor Sonnenuntergang machen wir uns langsam wieder auf den Heimweg. Zu Hause wartet noch der Rest Fischsuppe und eine Kollektion lokalen Weins auf uns.